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Der Labskaustraum

 

Eines Morgens wachte ich im Bauch des Walfischfriedens aus dem naturgeschichtlichen Alphabet von Wilhelm Busch auf. Ich irrte durch ein mir noch unbekanntes Paradies. Citronen mit C hingen an den Sträuchern, biologisch etikettiert. Ein dummer Esel stand davor und rief den arglosen Elefanten. Xy waren versteckt unter einer Heizdecke, die noch von einer Verkaufsfahrt für Rentenempfänger stammen musste. Die Frauen waren wunderschön anzusehen. Blass und mit vollen Mündern und Zöpfen bis zu den Zehen, welche gut mit ihren Zopfpullovern korrespondierten. Irgendwo brodelte ein arg riechendes Chili. Fröhliche Musik war zu vernehmen. Ein Harlekin tanzte dazu und spielte auf einer Piccoloflasche und futterte Quitten, welche er noch in der Nacht im Ameisenhaufen des Königs gestohlen hatte. Ich fühlte mich wohl. Mir fehlte wenig zu meinem Glück. 

Die Jungfrauen waren tanzfreudig und auffordernd, die Jungmänner reizend und zuvorkommend, die Jungtiere schmeckten vorzüglich und hatten ein weiches Fell. Auch rote Beete und Spiegeleier waren vorhanden, sodass ich auch einen eigenen Stand aufmachen konnte um aus der Lamäng Labskaus für alle zu kochen. Diese Vorstellung unterfütterte meinen Traum nahrhaft. Er kleidete den Walfischbauch quasi aus und ich konnte nun den Heringsfrieden stören. Doch bevor ich abschmecken konnte, erwachte ich.

Es roch nach Hühnersuppe und deinem Parfüm. Ich fasste den Entschluss, auswärts essen zu gehen.

matthias von schramm

 

 

 

 

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